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Israel Reisebericht

Richtig schön früh reisten wir zum Flughafen Schönefeld. Noch früher, als ich es sowieso schon tun würde, denn über die Einreise nach Israel wurden mir schon so einige Schauergeschichten erzählt. Mindestens 3 Stunden sollten wir am Flughafen planen. Am Ende waren wir viel zu früh und hatten genug Zeit, noch eine Serie weiterzusehen. Nach ca. 4 Stunden Flugzeit landeten wir in Tel Aviv – und es regnete. Na super, ich dachte, wir entfliehen dem Berliner Wintergraus.

Auch für die Einreise in Israel brauchten wir nur minimal mehr Zeit, als üblich. Wir standen in einer ewig langen Schlange von Einreisenden aus aller Welt, doch als wir am Schalter ankamen wurde lediglich über Grund und Dauer der Reise gefragt. Und dann waren wir da. Kaum aus dem Flughafen herausgefallen, waren wir mitten im Trouble. Wir fuhren mit dem Zug in die hoffentlich richtige Richtung, denn Zeichen konnten wir fortan eher nicht lesen. Dann ging es in den Bus, wo wir an der neu eingeführten Ticket-Situation scheiterten: Busfahrer durften kein Bargeld mehr annehmen, Tickets hätte man vorher irgendwo an einer offiziellen Stelle kaufen müssen. Der Fahrer drückte ein Auge zu und erklärte und verkaufte uns für die nächsten drei Stationen – gleichzeitig durch den etwas wilderen israelischen Verkehr navigierend Einmal-Tickets. Irgendwann sprangen wir aus dem Bus und waren in Florentine – dem Viertel, in dem unser AirBnB lag. Da wir noch eine halbe Stunde bis zur Schlüsselübergabe zu überbrücken hatten, setzten wir uns in die nächstgelegene Bar.

Der nette Barkeeper versorgte uns neben einem Snack und Getränken auch mit Touristen-Infos und Tipps. Die Freundlichkeitspunkte hatte Israel also sofort gesammelt. Nach einer kurzen Weile und einer erschreckend hohen Rechnung, ging es endlich ins Apartment. Dieses war recht spärlich ausgerüstet, aber ausreichend, um ein Handy zu laden und sich den Reiseschweiß abzuduschen. Wir blieben nur kurz, denn wie immer wollte ich noch vor Einbruch der Dunkelheit die Zeit draußen verbringen.

Wir schlenderten durch Florentine und dann weiter gen Meer. Es war enorm stürmisch und wir ließen uns den Wind um die Ohren wehen.  Zum Glück blieben immerhin wir fest am Boden, ganz zu schweigen von den Straßenschildern und umherfligendem Müll. An den Hafen grenzte die Old Town, welche in der Dunkelheit eine besondere Magie versprühte.

Von dort aus suchten wir uns ein Restaurant um unsere hungrigen Mägen endlich mit israelischem Essen zu füllen. Wir landeten in einem leicht touristischen aber aufregend aussehenden Restaurant und bestellten das Abend-Menu. Sofort wurde uns haufenweise Brot auf den Tisch gestellt, gefolgt von Bohnensalat, Schakschuka, einer Suppe, Hummus, Tahini, verschiedenen Salaten, einem Fleischgericht. Wir konnten nicht so recht fassen, dass das alles für zwei Personen gedacht sein soll, es sah eher nach 10-Mann-Buffet aus. Wir bezwangen etwas mehr als die Hälfte und machten uns zurück auf den Heimweg. An unserem ersten Abend war die Wahrnehmung von Tel Aviv noch etwas verschwommen. Irgendwie cool, irgendwie auch ein wenig furchteinflößend. Ganz überzeugt waren wir wohl noch nicht.

Am nächsten Morgen liefen wir mit Sack und Pack zu einer Autovermietung und mieteten unseren Weggefährten für die nächsten Tage: einen kleinen Kia Picanto – für alle die, die im Gegensatz zu mir etwas mit solchen Informationen anfangen können. Schon konnte es losgehen – eine Stunde Autobahn und schon waren wir im kälteren und verregneteren Jerusalem.

Es war Freitag der 28.Dezember – was später noch eine kleine Rolle spielen würde… Erstmal bahnten wir unseren Weg durch die Stadt um unser AirBnB zu finden. Anscheinend hatten wir die Adresse nicht richtig gespeichert, sodass wir einmal in einem komplett falschen Haus klingelten aber in bestem Englisch weiter beraten und zu einer anderen Ecke geschickt wurden. Es war nicht schwer zu erkennen, wie sehr sich Tel Aviv und Jerusalem unterschieden. Allein die Zahl der Kippa + Hut + gezwirbelten Löckchen tragenden Männer hatte sich gefühlt verzwanzigfacht. Die Häuser waren kleiner und in einem ähnlichen Stil gehalten. Nach einer halben Stunde trafen wir endlich Yehonatan unseren Gastgeber, der uns die Pforten in seine Unterkunft öffnete. Das AirBnB war, wenn es nicht gerade als AirBnB diente, ein religiöses Kulturzentrum, fast ein Museum. Ihr könnt euch ja vorstellen, wie ich alte Atheistin mich in diesen Mauern fühlte.

Abgesehen von unzähligen jüdischen Reliquien an den Wänden, war es allerdings schon gemütlich. Selbst ein Plattenspieler war vorhanden und es wurde schön warm. Wie zuvor wollte ich gern recht bald wieder losziehen, schließlich stand Einiges auf unserem Plan. Vorher wies uns jedoch Yehonatan auf einen nicht ganz unentscheidenden Fakt hin: Am Abend begann der Schabbat. Ach ja, da war ja was, etwas peinlich berührt davon, wie wenig ich mich vorher damit auseinandergesetzt hatte, saugte ich die Informationen ein. Ab der Dämmerung würde es keine offenen Geschäfte, keine Restaurants und keinen öffentlichen Nahverkehr mehr geben. Na dann los. Wir zogen zunächst in Richtung des Mahane Yehuda Marktes. Vorbei an gegen Palästinenser protestierenden Israelis, zogen wir durch die Stadt. Noch vor dem Markt kamen wir nicht an einem riesigen Backwaren-Supermarkt vorbei und deckten uns dick mit Süßspeisen aller Art ein.

Der Markt war noch voller, als wir uns das schon gedacht hatten und nach der ersten Freude war auch ich maximal überfordert von den Menschenmengen. Vollkommen k.O. suchten wir erst einmal ein naheliegendes Restaurant auf, um etwas Energie zu tanken. Erst als wir merkten, dass sich das Restaurant erstaunlich schnell leerte, erinnerten wir uns wieder an den bevorstehenden Schabbat. Als wir das Restaurant verließen, schien ganz Jerusalem in einem Wettlauf gegen die Zeit die Straßen zu verlassen. Wir ahnten schreckliches: Für die nächsten 24 Stunden würde wir im schlimmsten Fall nicht mehr an Essbares gelangen. Schnell jagten wir zurück zum Markt, wo die meisten Stände bereits zu und geputzt waren. Denn im Schabbat darf weder eine Arbeit verrichtet werden, noch Geld in die Hand genommen werden. Der noch kurz zuvor mit hunderten Menschen gefüllte Markt war plötzlich leer. Und Still. Mit etwas Geduld (denn die Lektion, dass man in Israel sehr beharrlich sein muss, um etwas zu bekommen, lernte ich erst wesentlich später) ergatterten wir noch einen Haufen Brote, Oliven und Hummus in Mengen.

Das weitere Überleben war also gesichert. An für sich hatte es auch eine recht positive Seite, denn plötzlich war es in der Stadt ruhig: keine Busse mehr, keine Autos, die Läden fast ausnahmslos geschlossen. Die Orthodoxen saßen zu Hause. Als nächstes wollten wir uns den Tempelberg und die Klagemauer ansehen. Ich muss zugeben, ich hatte gehörigen Respekt. In Reiseblogs las ich zuvor oft, dass man aktuelle Sicherheitshinweise beachten solle und dass es schon immer mal zu Vorkommnissen käme. Menschenmengen sollten wie immer gemieden werden. Ist aber halt unmöglich, wenn man die Klagemauer ansehen will. Wir durchquerten die Stadttore der Jerusalemer Altstadt und bahnten uns unseren Weg. Bevor wir den Platz betreten durften, wurden wir durch eine Sicherheitskontrolle gelotst. Mir war eigentlich weiterhin dauerhaft mulmig zumute – dennoch war es faszinierend, den sich langsam füllenden Platz vor der Klagemauer zu beobachten.

Es wurden immer mehr und mehr Menschen, Israelis, Juden, Touristen, jüdische Touristen. Schulklassen betraten Auf dem Heimweg fanden wir dann doch ein kleines winziges (rebellisches) Lokal, welches geöffnet hatte und so genoss ich noch eine kleine Süßspeise und wir wunderten uns darüber, was der Schabbat wohl noch so mit sich bringen würde. Von unserem Gastgeber hatten wir bereits erfahren, dass er selbst ein Restaurant besitze, in welchem man auch am Schabbat speisen konnte. Auf Vertrauensbasis wurden dort die Gäste mit Essen versorgt und bezahlt wird dann erst nach Schabbat Ende.

Da am Samstag in Jerusalem sowieso tote Hose sein würde, passte unser Plan, das Tote Meer und das bessere Wetter im Osten des Landes zu genießen perfekt. Mit Brot und Oliven im Gepäck sollte unser erster Halt auf dem Weg zum Toten Meer sollte das Kloster St Georg in Wadi Quelt werden. Ich war extrem hibbelig und aufgeregt, da wir an diesem Tag in palästinensische Autonomie-Gebiete fuhren und ich wirklich schlecht einschätzen konnte, ob das einfach nur dumm oder total harmlos sein würde.

Wir befanden uns innerhalb kürzester Zeit in der Wüste – die Landschaft war traumhaft. Als wir am Eingang zum Ausblick für St Georg ankamen, wurden wir direkt von einem Mann belagert, der uns zutextete und versprach auf unser Auto aufzupassen…. Schnell versuchte ich weiterzuziehen, da er doch etwas sehr aufdringlich war. Der Blick auf das Kloster war die unangenehme Situation absolut Wert – aus einem Fels ragte das imposante Kloster hervor und bot einen unglaublichen Blick.

Da sowohl Jonas, als auch ich, schnell ungeduldig werden, zogen wir recht schnell wieder gen Auto, drückten dem aufsässigen Kerl 10 Schekel in die Hand, diskutierten noch kurz, dass das doch viel zu wenig sei und fuhren endlich weiter. Doch meine Anspannung hielt sich weiterhin. Nach einen kurzen Stop beim “Sea-Level” Monument, welches signalisierte, dass wir nun auf dem Weg zum tiefsten Ort der Erde waren, ging es weiter. Wir hatten vorher besprochen, ob wir uns in eine palästinensische Stadt trauen wollten. Ich war nicht so ganz überzeugt, aber wir einigten uns darauf, es zu versuchen, solang wir uns gut dabei fühlten. Entgegen meiner Erwartung durchfuhren wir keine Grenzkontrolle, obwohl ich häufig davon gelesen hatte. Kurz vor der Einfahrt nach Jericho warnten lediglich besorgniserregend aussehende Schilder vor der Einreise von Israelis.

Schnell merkten wir, dass alles viel ärmer, vermüllter und doch irgendwie ein klein wenig anders aussah.

Wir waren schlecht informiert. Was wollten wir hier nun unternehmen? Irgendwie waren wir beide davon ausgegangen, dass es dann schon offensichtlich sein würde, was man in Jericho zu besichtigen hatte. Nach einigem herumfahren landeten wir bei einem Museum, welches alte Palastruinen (Hisham’s Palace) aufarbeitete, dort trauten wir uns aus dem Auto und erkundeten die Ruinen. Dies tat mir sehr gut. Langsam realisierte ich, dass alles halb so wild war.

Wir fuhren noch kurz zurück durch die Stadt, Jonas kaufte einen kleinen Snack und im Vorbeifahren entdeckten wir sogar noch die Seilbahn, die auf einen kleinen Berg führte.

Nun sollte es aber doch weitergehen zum Toten Meer. Es wurde alle paar Kilometer etwas wärmer und dann war da das Meer zu sehen. An der ersten möglichen Einfahrt bogen wir ab und erreichten eine Art abgezäunten Strandkomplex. Wir erfuhren, dass man Eintritt für den Zugang zum Meer würde bezahlen müssen und entschieden uns, das lieber ans Ende unseres Ausfluges zu legen und vorher zu gucken, ob es noch andere Möglichkeiten gäbe. Zuvor hatte ich allerdings viele Warnungen gelesen, dass Sinking Holes (schlucklöcher) ein größeres Problem seien – sprich sich plötzlich auftuende riesige Löcher im Boden (https://www.welt.de/vermischtes/article150403072/Die-unheimlichen-Schluckloecher-vom-Toten-Meer.html), die einen großen Teil des Badetourismus dort zunichte gemacht haben.

Also fuhren wir weiter Richtung Ein Ghedi – der Ausblick war toll, links das Meer, rechts Wüste und Berge. Einmal fuhren wir sogar an ein paar frei laufenden Kamelen vorbei und ich freute mich wie Bolle. In Ein Ghedi angekommen, erfuhren wir, dass wir Glück hatten. Der Naturpark hatte nur noch eine Stunde lang geöffnet. Wir waren kurz unsicher, ob wir das Eintrittsgeld für den kurzen Besuch bezahlen wollen, doch ich wollte das unbedingt sehen. Es waren sehr leicht passierbare Pfade und recht schnell entdeckten wir die süßesten Tierchen, die ich seit langem gesehen hatte. Sie sahen aus wie riesige Meerschweinchen und hüpften fröhlich zwischen den Felsen hin und her.

Weiter ging es bergauf bis zu einem Wasserfall. Dort posierten wir für die obligatorischen Pärchenbilder und dann zogen wir langsam aber sicher zurück. Leider hatten wir nicht mehr Zeit, den Park zu erkunden, für ein erstes Naturerlebnis war es aber ausreichend Zeit und ich war beglückt. Schnell ging es wieder zum Auto, schließlich wollte ich noch vor Sonnenuntergang im Toten Meer baden. Wir fuhren zurück zu der ersten Stelle und bezahlten ein saftiges Eintrittsgeld – aber man ist ja nur einmal am Toten Meer… Ich hatte echt Respekt, denn es war wirklich nicht allzu warm, aber die Leute im Wasser sahen halbwegs entspannt aus. Viele waren mit schwarzem Schlamm beschmiert, andere schwammen wahllos umher. Schnell entledigten wir uns unserer Sachen und hüpften gen Wasser. Spannenderweise war das Wasser dann wirklich nicht so kalt, man konnte sich nach einem kurzen Schock doch halbwegs entspannt in der Salzlake treiben lassen und ja – es ist so oder sogar noch etwas toller, als man es sich vorstellt. Ohne Mühen trieb ich an der Wasseroberfläche und gluckste vor Freude.

Der Sonnenuntergang tat sein übriges. Wir wären jedoch keine richtigen Wissenschaftler, wenn wir nicht einmal ein wenig Wasser probiert hätten – mit dem Fazit: NIE WIEDER – das war wirklich richtig schlimm ekelhaft. Nach einiger Zeit verließen wir das Wasser wieder und duschten uns ab. Den Rückweg nach Jerusalem kannten wir nun aus dem ff und beide waren wir glückselig über diesen spannenden und schönen Tag. Zurück in Jerusalem war der Schabatt vorüber und wir vollkommen kaputt. Wir schafften es noch bis ins nächste gut bewertete Restaurant und ließen es uns so richtig gut gehen.

Am nächsten Morgen war der Plan, Jerusalem noch ein wenig weiter zu erkunden. Erst frühstückten wir lecker in einem hippen Cafe und zogen dann weiter (während das Auto auf dem gefühlt teuersten Parkplatz der Erde stand). Es gab ein Viertel, welches als das orthodoxeste der orthodoxen beschrieben wurde und vor dessen Betreten ausdrücklich auf die Bekleidung geachtet werden musste. Im Winter ist das glücklicherweise nicht ganz so schwer. Tatsächlich war es sehr spannend, dort herumzuwandern. Die Quote der Kippa-Männer erhöhte sich auf ca 98% und ich fühlte mich schon etwas wie ein Eindringling, zumal uns ein Mann den Zutritt in eine Gasse auf unsere Nachfrage, ob wir okay gekleidet seien verwehrte.

Es war schon irgendwie paradox. Ganz Jerusalem war paradox. Die unzähligen Amerikanischen Touristen-Juden – die amerikanischen Auswanderer-Juden, die jerusalemer Juden – es war ein wilder Mix, den ich nicht immer ganz einordnen konnte. Nachdem wir das Viertel durchkreuzt hatten, zogen wir zurück zum Auto und fuhren nach Tel Aviv zurück.

Jerusalem war wirklich spannend. Gleichzeitig war es eine wertvolle Erfahrung für mich, wie ich mit so starker religiöser Präsenz umgehe und ich merkte tatsächlich mit jedem Kilometer, den wir uns wieder von Jerusalem entfernten, wie viel entspannter ich wieder war.

Unsere neue Unterkunft in Tel Aviv lag leider ziemlich abseits – um genau zu sein, lag sie gar nicht mehr in Tel Aviv sondern in der Nachbarstadt. Dafür war der Strand direkt vor der Tür und das Hotelzimmer schön. Wir waren ziemlich erschöpft und so reichte unsere Energie gerade noch für einen Sonnenuntergangsspaziergang und die Einkehr in einem Sushi Restaurant.

Am nächsten Morgen starteten wir früher als gewollt, denn es war der 31.12. und lang durchhalten war angesagt. Zunächst mussten wir den Mietwagen wegbringen – das dauerte noch kurz, also holten wir uns einen Kaffee und wurden direkt von der Barista touristisch beraten. Wir wollten heute zumindest einen Markt unsicher machen. Mit dem Auto klappte alles und so zogen wir zunächst zum Lewinsky Market – welcher eher aus offenen zur Straße gerichteten Lädchen bestand, in denen man mit viel Durchsetzungsvermögen oder noch viel mehr Geduld, Gewürze, Tees, Süßigkeiten und viel mehr kaufen konnte. Dort kam es das erste Mal vor, dass mir eine Dame, die sich in meinen Augen unhöflich vorgedrängelt hatte, erklärte, dass man laut sein muss, um in Israel ranzukommen. Es war gut, dass sie es sagte, denn zuvor hatte ich mich wirklich oft missachtet gefühlt, wenn ich etwas kaufen wollte. Anscheinend war es aber einfach normal, dass man erst auf sich aufmerksam machen musste, um das Interesse des Verkäufers zu erhalten. “When you´re shy – you´re dry” erklärte die Frau bei der Stadtführung wenige Stunden später. Nach dem ersten Markt schlenderten wir noch die wuselige Allenby Street entlang und gelangten auf den bekanntesten der Märkte: den Carmel Market.

Das wussten wir zu dem Zeitpunkt allerdings nicht und wir hatten auch nicht mehr so viel Zeit, denn um 13 Uhr wollten wir an einer Free Walking Tour teilnehmen. Dafür mussten wir wieder zum Clock-Tower neben der Altstadt. Im Stechschritt ging es also wieder gen Westen – typisch deutsch – wir warteten dann sicherlich 20 Minuten bis es final losging. Und wir waren bei weitem nicht die Einzigen. Ein riesiges Kuddel-Muddel an Menschen sammelte sich am Treffpunkt. Am Ende wurden wir in 4 Gruppen a 40 Personen aufgeteilt und zogen in die verschiedenen Himmelsrichtungen los. Unsere Führerin war nett und gut zu hören, was will man mehr. Sie führte uns durch die Altstadt und zum Hafen und beantwortete einige unserer vielen noch offenen Fragen. Natürlich spielte der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern eine große Rolle, sie wies jedoch berechtigter Weise darauf hin, dass Israel mehr ist, als nur der Konflikt. Es gebe genauso die sozialen und wirtschaftlichen Probleme, mit denen die meisten anderen Länder auch zu kämpfen haben sowie natürlich eine spannende Geschichte. Wirklich faszinierend fand ich, dass Tel Aviv erst 1909 nach Vorlage des Romans “Altneuland” von Theodor Herzl entstand.

Nach beendeter Führung stand nun die von mir geplante Tour an. Ich hatte im Internet eine Street Art Tour recherchiert und sie für uns aufbereitet. Bereits nach Sonnenuntergang zogen wir los, um die Kunstwerke zu betrachten. Es war schon etwas gruselig, genau dahin zu gehen, wo es nachts dunkel und verborgen genug war, um die im Rest des Landes verbotenen Kunstwerke zu erstellen. Als wir gerade in einer Gasse neben garagenartigen Häusern umhertingelten, lief eine Frau an uns vorbei, die für eines dieser Häuser einen Schlüssel hatte.

Mutig fragte ich sie, ob sie hier lebe. Das tat sie und wir berichteten, dass wir auf Street Art Suche waren und prompt erzählte sie uns, dass wir soeben eines ihrer Kunstwerke fotografiert hatten und ob wir einen Blick in ihre Wohnung werfen wollten. Aber natürlich! Ihre Wohnung war eher eine 2-stöckige Halle – mit Bildern und Graffiti an den Wänden und mehr Hunden und Katzen, als ich zählen konnte. Wir unterhielten uns eine Weile und zum Abschied schenkte sie uns noch 2 von ihr gemalte Postkarten. Wenn das mal keine gelungene Street Art Tour war! Noch eine weitere Stunde erkundeten wir die unzähligen Kunstwerke im Viertel Florentine und machten uns dann so langsam auf die Suche nach einem Restaurant. Wir endeten in einem Pizza-Laden – tranken Gin Tonic (für mehr Geld als ich jemals bereit war, dafür zu zahlen) und hofften, dass die Zeit doch etwas schneller vergehen würde.

Ich war zwar angeheitert, doch es waren auch noch mehr als 2 Stunden bis Mitternacht und normalerweise waren wir gegen 18-20 Uhr todmüde in unserem Bett versunken. Naja, dann ziehen wir erstmal weiter – so die Idee. Und vielleicht, aber nur ganz vielleicht gucken wir mal, wann der Bus in Richtung Hotel denn so fährt. Nach ca. einer Stunde durch die Gegend laufen, kamen wir am Uhrenturm an. Dort war auch die Bushaltestelle. Ich konnte nicht mehr, ich wollte ins Hotel. Nach weiteren 15 Minuten des Wartens kam ein Bus und nahm uns mit – wie lange würde die Busfahrt wohl dauern? Würden wir den Jahreswechsel nun im Bus verbringen? Hätte ich auch okay gefunden. Dennoch kamen wir um 23.45 an und hatten noch genug Zeit, zum Strand zu gehen und uns dort auf das neue Jahr vorzubereiten. Um uns herum waren einige wenige betrunkene Menschen mit guter Laune. Und dann war es da, das neue Jahr. Circa 5 Raketen wurden in der Ferne in die Luft geschossen – mehr nicht. Wir freuten uns und hüpften am Strand herum. So hatte ich tatsächlich noch nie den Jahreswechsel begangen. Kurz darauf kam ich auf die glorreiche Idee, mit den vielen schönen und großen Muscheln am Strand eine 2019 in den Boden legen könnten.

Zwei Minuten lang war das echt lustig, und die weiteren zehn etwas nervig. Ein schönes Foto ergab es allemal. Zufrieden sind wir ins Hotel und haben unsere erste Nacht in 2019 ganz vorzüglich geschlafen.

Der nächste Tag war bereits unser letzter und einige Rechnungen waren noch offen. Wir wollten auf den Carmel Market, die White City sehen und noch ganz viel Hummus essen.

Da wir nach der langen Nacht nicht so früh aus dem Bett kamen, sollte Hummus direkt zum Frühstück absolviert werden. Ich folgte einer Internet-Empfehlung zu Abu-Hassan, welcher angeblich den besten Hummus mache. Wir wurden so super fix bedient und verhältnismäßig günstig, dass ich die Empfehlung definitiv weitergeben kann.

Danach tingelten wir bei bestem Wetter Richtung Strand. Endlich schienen uns über 20 Grad Sonne entgegen – ich genoß es so sehr! An der Strandpromenade konnte man perfekt einfach herumsitzen und Menschen beobachten, so sahen wir einen Fahrradunfall sowie eine Filmcrew, die einen anscheinend bekannten Fußballer interviewten und Unmengen an Touristen.

Weiter ging es zum Carmel Market, den wir, wie es sich dann herausstellte bereits kannten. Dennoch war es bei Sonnenschein einfach nur ein Traum, in der Stadt herumzulaufen, jedes Viertel hatte seinen ganz eigenen Charme. Um den Markt herum fühlte ich mich plötzlich wie in Barcelona oder Griechenland.

Kleine Häuschen und Gassen, wenig später kamen wir in die White City, welche von weißen Bauhaus-Stil Häusern geprägt ist. In einem nahegelegenen Park verglichen wir kurz unsere Kletter-Skills und setzten uns dann in ein super schönes und hippes Cafe. Zurück ging es dann durch Neve Tzedek, ein weiteres schön anzusehendes Viertel. Wir waren vollkommen begeistert, wie sehr uns Tel Aviv auch an Tag 4 noch überraschen konnte. Nach einem tollen und wieder normal überteuerten Abendessen nahe der Altstadt, ging es zurück ins Hotel.

Am nächsten Morgen brachte uns ein netter Taxifahrer, welchem sehr wichtig war, dass uns Israel gefallen hatte zum Flughafen und beendete damit diese wundervolle Reise.

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2 Kommentare zu „Israel Reisebericht

  1. Schöner Bericht und sehr schöne Fotos! Da werde ich richtig wehmütig. Ich hatte in jungen Jahren das Glück zweimal nach Israel reisen zu dürfen und hoffe, dass ich dieses Land irgendwann nochmal bereisen werde.

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