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Wie mich das Lauffieber packte

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In den letzten Wochen ist meine Läufer-Motivation wieder ziemlich in Gang gekommen. Conny hatte ich zum Geburtstag einen Gutschein für einen Lauf geschenkt. Wir hatten uns zwischen dem Womens Craft Run und dem Tierparklauf schlussendlich für den Tierparklauf entschieden – später aber gedacht, dass wir ersteren irgendwie auch mitnehmen wollten. Da meine Mutter zwei Wochen im Urlaub war und ich sowieso alle 2 Tage die Katze gießen musste (ja das sage ich absichtlich so) wollte ich das Angenehme (in diesem Fall das Laufen) mit dem Nützlichen verbinden. Der ursprüngliche Plan war es, die 6 km zur Wohnung zu joggen und dann mit der Bahn zurückzufahren. Da ich beim ersten Mal allerdings so gut drauf war, rannte ich die Strecke einfach wieder zurück. So kam es, dass ich in den 2 Wochen alleine 4 Mal je 12km laufen war. Dieses Training hat meine Ausdauer echt in Schwung gebracht. Anfangs hatte ich einige Problemchen, insbesondere mit der Übelkeit nach dem Laufen – so eine Mischung aus purer Überforderung und meinem empfindlichen Magen und dem zuvor gefutterten Süßkram – doch auch das besserte sich mit der Zeit und ich konnte gar nicht mehr genug vom Laufen bekommen. Daher folgten nach dem Womens Craft Run noch weitere Läufe, ich nahm einfach mit was ich kriegen und zeitlich unterbekommen konnte. Im Folgenden habe ich meine persönlichen Eindrücke und Erlebnisse bei den Läufen geschildert und am Ende noch mal die wichtigsten Punkte zum vergleichen aufgeführt:

WOMENS CRAFT RUN

Als der Womens Craft Run anstand fühlte ich mich also ziemlich gut vorbereitet und war optimistisch, dennoch aufgeregt. Es kam mir sehr entgegen, dass der Lauf erst 17:30 losgehen sollte, da ich ja eher so der Abendrenner bin und Morgenläufe für mich einer Besteigung des Mount Everests gleichkommen. 2016-07-23-15-55-07Am beschriebenen Samstag war es ziemlich heiß, zur Laufzeit waren sicher noch 28 G2016-07-23-16-32-05-hdrrad – ich hatte keine Ahnung ob das jetzt gut oder schlecht für mich war, fand es zunächst aber positiv. Der Lauf war komplett auf die theoretische weiblichen Bedürfnisse ausgerichtet. Alles in grellem pink gestaltet, hangelten Conny und ich uns von Selfie- zu Vaginalcreme-Give-Away-Stand.
15 Minuten vor dem Sta2016-07-23-15-54-10-hdrrtschuss sammelten sich alle Damen, die die 8km-Distanz rennen sollten im Startbereich zum gemeinsamen “eindancen”. Zum Glück hatte ich das beim Nike-Lauf schon mal erlebt, so hatte ich bereits meine “Gott-ist-das-jetzt-albern-Sprüche” parat. Als es dann endlich losging, war ich drei Minuten lang erstmal froh, dass ich keine Dance-Aerobic mehr machen musste. Danach begann es allerdings schon anstrengend zu werden. Es war ja mein erster Wettkampf seit dem katastrophalen Nike-Run ein Jahr zuvor, daher hatte ich noch keine Strategie oder Erfahrungswerte vorzuweisen. Ich rannte viel zu schnell los, einfach weil die Menge selbst so schnell war. 2016-07-23-16-58-04Es war sicherlich anfangs eine Minute unter meinem damaligen Durchschnittstempo von 06:30min/km und das merkte ich halt. Ich hatte sehr zu kämpfen, war gleichzeitig aber nicht in der Lage, das Tempo zu verringern. Auch war die Vorstellung natürlich toll, in einem für mich so schnellen Tempo ins Ziel zu kommen. Trotzdem es ein super Gefühl war, durch das Olympia-Stadion zu laufen, kämpfte ich ab km 3 mit dem Gedanken aufzugeben. Keine Ahnung wie ich es dann schaffe, mich immer wieder weiterzuziehen – ich ziehe dann Vergleiche mit Damen, die mindestens doppelt so alt sind wie ich und wo ich denke, ich muss da einfach mithalten können. Dann wenn die Hälfte geschafft ist, denkt man so langsam, dass es ja nun machbar sein muss. 2016-07-23-16-58-11Ab 2km vorm Ziel stelle ich mir dann vor, wie enttäuscht ich wäre, wenn ich an dieser Stelle aufgeben würde. Und dann nähert sich das Ziel. Man guckt auf die Sportuhr und malt sich die Zielzeit aus. All das hilft mir bisher, egal wie erschöpft ich bin, durchzuziehen. Außerdem hatte ich mich vorher über die 5km-Starterinnen lustig gemacht – auch ein guter Schutz davor, bei 5km dann selbst aufzugeben. Nach 48:16 und zwei sehr langsamen letzten Kilometern kam ich vollkommen fertig und verschwitzt ins Ziel. Interessanterweise wechselt mein Körper dann superschnell von “warum quälst du mich so” zu “war was?” Ich war froh durchgehalten zu haben und trotzdem ich mental doch ziemlich gelitten hatte guter Dinge.

So guter Dinge, dass ich mich direkt nach weiteren Läufen umschaute. Ich wusste, dass meine Motivation dann weiterhin im Training zu bleiben stark anwachsen würde.

MUTLAUF

Nach längerer Suche fand ich zum einen den Mutlauf, der abends auf dem Tempelhofer Feld stattfinden sollte und den Stadtlauf (wo ich anscheinend vergaß auf die Startzeit zu achten).

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Der Mutlauf fand an einem Freitag (05.08.) statt. Der Lauf diente dem gemeinnützigen Zweck, auf Depression als (Volks-)Krankheit aufmerksam zu machen. Er war eher im kleinen Rahmen organisiert, dafür aber auch super-günstig (7 Euro). Ich zog mich auf der Arbeit um und fuhr dann so langsam ich konnte die 9km mit dem Rad nach Tempelhof, in der Hoffnung, nicht schon von der Radtour komplett erschöpft zu sein. Schnell sammelte ich Conny ein und es konnte losgehen. Vor Ort waren ein paar Informationsstände aufgebaut und es herrschte eher gemütliches Treiben. Leider gab es keine Gepäckabgabe, daher ließen wir unsere Sachen etwas angstvoll im Versorgungszelt.

Die wichtigsten Sachen wurden dann einfach in den Laufutensilien verteilt: Handy, Schlüssel, Perso und ein paar Karten sowie der Hausschlüssel fanden ihren Platz. Wir trödelten noch ein wenig umher und ich war kurzzeitig verängstigt, ich würde die Strecke verfehlen, weil es nur teilweise abgesteckt bzw. gar nicht ausgeschildert war. Kurz vor dem Startschuss fanden Conny und ich uns im Startbereich ein und als wir da noch so im Quatschen waren, fiel plötzlich der Startschuss. Etwas überrascht rannten wir beide los. Conny wie gewohnt in Schallgeschwindigkeit vorne weg und ich wie ich recht bald feststellte auch in einem für mich super Tempo. Die Strecke war dann doch recht einfach erfassbar und ich konnte mich dar2016-08-05-18-55-25-hdrauf konzentrieren, zu realisieren, dass ich bei gleichbleibendem Tempo unter 1 Stunde ins Ziel kommen würde. Ich hatte selten so viel Spaß beim Laufen, ich war total euphorisch und schaffte es fast die ganze Zeit lang, breit zu grinsen, und das obwohl ich weit unter meinem Normaltempo lief. Durch den Aufbau der Strecke lief Conny, die ein ziemliches Stückchen vor mir war in regelmäßigen Abständen an mir vorbei und wir konnten uns gegenseitig anfeuern. Als ich zu meiner letzten Runde aufbrach, war sie schon im Zieleinlauf und ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass auch sie eine zeimlich gute Zeit erlaufen würde. Am Ende lief ich nach 00.57:03 Minuten ins Ziel und war einfach nur super happy. Conny und ich freuten und bejubelten uns gegenseitig und radelten dann gemütlich nach Hause. Da sieht man mal, was ein bisschen weniger Stress und die sehr milden Temperaturen für Fähigkeiten in einem hervorholten.

BERLINER STADTLAUF

Zwei Wochen später am 21.08. sollte der Berliner Stadtlauf – ein Halb – bzw. Viertelmarathon stattfinden. Erst eine Woche vorm Start fiel mir auf, dass der Lauf bereits um 09:30 stattfinden würde. Die Überraschung traf mich hart, da ich morgens einfach nicht laufen kann und zusätzlich nicht einmal ansatzweise dafür trainiert hatte, dies zu ändern. Drei Tage vorm Lauf schaffte ich es immerhin einmal, mich morgens vor der Arbeit zum Laufen zu zwingen. Mit dem Ergebnis, dass das doch alles super scheiße ist. Egal wie, ich hielt mich beim Pokerabend am Vorabend des Laufes zurück, trank keinen Alkohol und verlor, sodass ich rechtzeitig nach Hause kam. Gegen 06:30 klingelte mein Wecker und ich begann mich wach zu kriegen: kalt duschen, Sachen anziehen und los nach Steglitz.

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2016-08-21-10-58-02 Es sollte ein heißer Tag werden, das einzige, was positiv an dieser frühen Uhrzeit war, waren dementsprechend die noch milden Temperaturen. Zunächst stellte ich schon wieder fest, dass es keine Gepäckabgabe gab und so musste ich wieder einmal improvisieren und meine Sache2016-08-21-11-30-00n im Damen-Umkleidezelt lassen. Mein viel größeres Problem war allerdings meine Verdauung. Die Aufregung, der frühe Morgen und Pech taten sich zusammen, sodass ich noch 3 Mal aufs Klo rannte, bevor es losging. Kurz nach dem Start merkte ich bereits, dass dies wie erwartet kein Super-Lauf werden würde. Nach 3km hinterfragte ich Laufen als Hobby im Allgemeinen und dann kamen meine Magenbeschwerden dazu. Bis km 7 hielt mich einzig und allein die Suche nach der nächsten Toilette am Weiterlaufen. Diese war dann eine kurzzeitige Erlösung und motivierte mich weitere 500 Meter lang weiterzurennen. Hätte dann nicht meine Mama überraschend am Wegesrand gestanden, wäre ich wahrscheinlich nicht mehr weitergerannt, sondern wäre gemütlich ins Ziel spaziert. So kam der Ansporn jedoch zur rechten Zeit und ich schaffte es irgendwie rennend ins Ziel. Wobei meine 10km-Zeit tatsächlich wieder knapp unter 1 Stunde lag. Im Ziel wurde mir eine Medaille in die Hand gedrückt – meine erste Wettkampfmedaille – ein bisschen Stolz war ich schon.

Finale Übersicht:

Womens Craft Run Mutlauf Berliner Stadtlauf
Distanzen 5km und 8km 5km und 10km 10,5km und 21,1 km
Preis 27,90 Euro + Chip 7 Euro 24 Euro + Chip
Entertainment-Faktor 10/10 7/10 6/10
Gepäckabgabe Ja Nein Nein
Tageszeit Abends Abends Morgens
Extras T-Shirt, Beutel mit Giveaways, viele Stände einige Stände T-Shirt, Medaille, Beutel mit Giveaways
Teilnehmer Nur Frauen Wild durchmsicht Durchmischt, eher sportlich
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Ein Kommentar zu „Wie mich das Lauffieber packte

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